Zwei Europameister in den Reihen des BSV 98 Bayreuth

Der BSV 98 Bayreuth hat zwei frischgebackene Senioren-Euromeister in seinen Reihen: Bei der Europameisterschaft in Prag hat in der Klasse 65+ männlich die deutsche Auswahl triumphiert, in ihren Reihen: drei Franken. Bernd Ruhs und Andy Wichtel spielen für den BSV Bayreuth, Klaus Pritzkow für den SC Memmelsdorf. Im folgenden Bernds Bericht von den Titelkämpfen:

Was für ein großartiger Erfolg der deutschen Volleyball-Seniorennationalmannschaft 65+ bei der EM in Prag. Die Mannschaft setzte sich gegen die sehr starke Konkurrenz zunächst in der Gruppenphase mit drei hochverdienten 2:0-Siegen gegen die Teams aus der Slowakei (25:14, 25:14), Rumänien (25:14, 25:21) und auch gegen den hohen Favoriten Polen (25:17, 25:20) durch. Im Viertelfinale konnte sich die Mannschaft weiter steigern und besiegte auch die abwehrstarken Franzosen glatt mit 2:0 (25:14, 25:13). 

Da sich die deutsche 70+ Mannschaft in der anderen Gruppe nach Siegen über Frankreich (25:20, 25:19) und Schweden (25:8, 25:18) bei Niederlagen gegen die Ukraine (15:25, 23:25) und Tschechien (23:25, 25:17, 8:15) den zweiten Rang gesichert und auch das Viertelfinale dank ihrer besten Turnierleistung gegen Rumänien mit 2:0 (25:22, 25:21) gewonnen hatte, kam es im Halbfinale zum ungewünschten Aufeinandertreffen der beiden deutschen Seniorenteams.

Vor dem Spiel war der Respekt bei der jüngeren Mannschaft gegenüber den älteren Volleyball-Freunden sehr groß. Absolut fokussiert und motiviert ging man daher in dieses Match. Doch schon früh zeigte sich, dass das jüngere Team bei dieser EM einfach nicht zu schlagen war. Alle Spieler der 65+ schlugen während des gesamten Turniers ungemein druckvoll und dabei fast ohne Fehler auf. Damit setzte man die Gegner so unter Druck, dass es entweder direkt einen Punktgewinn gab oder aber die gegnerische Annahme so ungenau zum Zuspieler kam, dass der entweder einen hohen Ball auf die Außenpositionen spielen musste oder aber versuchte, den Ball irgendwie noch selbst in die andere Feldhälfte zu bringen. Bei Zuspielen nach außen hatten es dann die gegnerischen Angreifer mit einem hohen und gut positionierten und geschlossenen deutschen Zweierblock zu tun, der oft schwer zu überwinden war. Falls dies doch gelang, wurden die Angriffe durch die bewegliche Feldabwehr meist entschärft.

Ohne große Gegenwehr der Älteren endete das Aufeinandertreffen der beiden deutschen Teams mit einem glatten 2:0 (25:10, 25:11)-Sieg der 65+ Mannschaft.

Im kleinen Finale kam es somit zu einem erneuten Spiel zwischen der Ukraine, die das andere Halbfinale überraschend eindeutig gegen stark aufspielende Polen mit 0:2 verloren hatte, und dem Team Deutschland 70+. Lange Zeit konnten die älteren Volleyballer den Ukrainern Gegenwehr leisten. Leider fehlte jeweils zum Satzende dann auch etwas das Glück, so dass man das Turnier nach einer 0:2 (21:25, 20:25)-Niederlage auf dem undankbaren vierten Platz beendete – ein respektabler und schöner Erfolg in der Altersklasse 65+ bei insgesamt neun sehr starken Mannschaften. 

Das Endspiel zwischen Polen 65+ und Deutschland 65+ sollte in dieser Altersklasse das beste Spiel des Turniers werden. Beide Mannschaften hatten sich in den Spielen zuvor immer besser zusammengefunden. Die deutsche Mannschaft hatte aber den Vorteil, dass sie zwölf nahezu gleichstarke Spieler in ihrem Kader hatte, was es dem Trainerfuchs Pitt Richter erlaubte, immer wieder ausgeruhte Spieler als Verstärkung einzuwechseln. 

Grundlage für die letztendlich doch klaren Satzgewinne (25:17, 25:16) waren die phantastische Stimmung, sowohl auf als auch neben dem Spielfeld, das kluge Zuspiel des später zum MVP gewählten Jörg Hinsken, die bestens vom Libero Uwe Burkard organisierten Dreierriegel in der Annahme mit den Außenangreifern Dirk Henny, Andy Wichtel, Andreas Pakszies und Karl Schumann, klug gespielte Angriffsbälle über die Außenpositionen sowie oft wuchtige Angriffsschläge auf der Diagonalposition von Jan Böhmer oder Bernd Ruhs und die mit viel Übersicht vorgetragene Angriffe in der Mitte von Klaus Pritzkow und Johannes-Georg Klose. Dazu kamen das von viel Einsatz geprägte Abwehrspiel aller Spieler und meist sehr gut gestellte Blocks. Der Senior im Team, Wilfried van Meegen, der in einigen Spielen zuvor seine große Klasse als Zuspieler unter Beweis gestellt hatte, gab taktisch wertvolle Tipps von außen. 

„Diese Meisterschaft hat all unsere Erwartungen übertroffen“, bilanzierte freudestrahlend der Kapitän der 65+ Seniorennationalmannschaft, Karl Schumann. „Es war unglaublich, mit welcher Leidenschaft und welchem Kampfgeist, hervorragender Stimmung auf und neben dem Feld, taktisch klug vorgetragenem Spiel die Mannschaft aufgetreten ist und dabei das Verletzungs-Aus des in den ersten drei Spielen überragenden Gerd Gruschwitz ohne Leistungsabfall hinbekommen hat.“

Großen Anteil am Erfolg hat auch Trainer Pitt Richter, der Ende April im Trainingslager in Geldern die Mannschaft gut vorbereitet hatte und während der EM das taktische Konzept vorgab und beim Coaching die richtigen Entscheidungen traf.