Schon ein paar Minuten vor dem letzten Ballwechsel des Abends hatten alle Bayreuther Volleyballerinnen, ob auf dem Feld im Einsatz oder daneben im Wartestand, mindestens ein Lächeln im Gesicht, manche lachten gar frei heraus. Große Freude über den 3:1-Sieg gegen den Tabellendritten TV Altdorf II im letzten Bayernliga-Heimspiel der Saison? Auch, aber nur bedingt. Sie amüsierten sich vor allem über einen Fauxpas ihres Trainers.
Dessen Irrtum hatte nämlich zur Folge, dass die eingewechselte Steffi Bauer, eine der Kleinsten im Team, beim Stand von 21:15 im vierten Satz eine Position einnehmen musste, die eigentlich den Längsten vorbehalten ist, die der Mittelblockerin. Manuel Wolz hatte angesichts des unmittelbar bevorstehenden Sieges die Außenangreiferin der zweiten Reihe mit einbeziehen und zum Aufschlag einwechseln wollen. Er holte dafür – beim Volleyball wird positionsgetreu getauscht – Alexandra Soloninkin vom Feld, doch die war gar nicht mit dem Service an der Reihe, sondern Zuspielerin Katja Löhnhardt. Also nahm die zuerst etwas ungläubig dreinschauende Bauer den völlig ungewohnten Platz in der Mitte ein und bekam wenig später sogar von Kollegin Katja einen schönen Pass zum Vollenden. Die fehlenden Größen-Zentimeter der BSV-Nummer 8 verhinderten ein Happy-end, das den Jubel und Trubel in der Halle wohl zum Orkan hätte werden lassen.
Man merkt schon: Die Partie war eher vom Typ „leichte Kost zum Abschied“ als das erwartete zähe Ringen des mittelfränkischen Gastes um Rang zwei in der Tabelle, der noch in Sichtweite war. Das lag wohl vor allem daran, dass der TVA II personell arg gebeutelt war. Spielertrainerin Katarzyna Stanic fehlte ebenso wie die Mittelspielerinnen Theresa von Waldenfels und Annemarie Böhm; die etatmäßige Zuspielerin Maja Auer half somit im Block aus. „Das Fehlen so erfahrener Damen, die alle schon hochklassig gespielt haben, war schon ein starkes Handicap“, sagte dann auch Thomas Kotlar, Co-Trainer der Altdorfer Zweitliga-Damen und zugleich Landesligaspieler für den BSV Bayreuth. „Im Spaß war ich vorher schon gefragt worden, ob ich an diesem Abend hier die zweite Mannschaft coache. Im Ernstfall hätte ich aus Loyalitätsgründen aber dankend abgesagt.“
Kotlar lobte dann die Altdorfer Rumpftruppe für das unermüdliche Bemühen, das beim 11:25, 20:25, 25:17, 16:25 dann auch mit einem Satzgewinn belohnt wurde. Eine echte Chance hat der anfangs auch ob der strengen Regelauslegung der Unparteiischen sichtlich verunsicherte TV gegen sehr seriös startende (10:2 und 18:6) und dann auch zu Ende spielende Bayreutherinnen nicht. Nach dem holprigen dritten Durchgang – in dem nach Fünf-Punkte-Rückständen dann bei 16:18 das Bayreuther Comeback möglich schien, aber nicht gelang – verlief der vierte ausgeglichen. Doch nach dem 14:13 setzte sich der Vizemeister noch problemlos ab.
So heiter wie seine Damen in der Schlussphase wirkte Trainer Wolz nach der Begegnung nicht. Großes Lob für Einzelne wollte ihm nicht über die Lippen kommen. Zufrieden schien er mit Nina Baldini („Bringt in engen Situationen Motivation und Einstellung ins Team“) und mit Johanna Stelzer, die sich als Libera bei eigenem Aufschlag mit Maria Fichtel (Libera für die Annahme) ergänzte.
Beim letzten Schaulaufen vor den eigenen Fans hatte der BSV mit Egle Stakeliunaite, der zuletzt verletzten Britta Schneider und Caroline Glatkowski im Zuspiel für Löhnhardt begonnen. Die Startformation sackte den ersten Satz in nur 18 Minuten ein. „Von den ersten acht Altdorfer Punkten haben wir sieben mit eigenen Fehlern selbst gemacht“, umschrieb Wolz das Angriffsdefizit der Gäste an diesem Tag.
Er hatte 14 Spielerinnen zur Verfügung, konnte munter durchwechseln. Julia Meyer, die wie Glatkowski für die letzten beiden Spiele aus Studiengründen nicht zur Verfügung stehen wird, bekam ab Abschnitt drei zwei komplette Sätze, Selina Porzner und Soloninkin gesellten sich schon vorher zu Nina Baldini, Antonia Meinhardt und Ronja Meyer und waren an entscheiden Punkten zum Gewinn des zweiten Satzes maßgeblich beteiligt.
Nach 92 Spielminuten hatte der BSV den sechsten Heimsieg (drei Niederlage) eingefahren. Tags darauf konnte er sich über Punktverluste der Rivalen aus Hammelburg (1:3 gegen Regensburg) und Lengfeld (3:2 gegen Ansbach) freuen. Bedeutet: Mit Siegen in Lengfeld und Ansbach ist Platz vier im Abschlussklassement realistisch. Dann wird sicher auch Rückkehrerin Franziska Rumpp im Team stehen – und Steffi Bauer nicht auf der Mittelposition im Einsatz sein.
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