Bei der Ankunft am Spielort und bei der Rückkehr in Bayreuth standen die Volleyballerinnen des BSV 98 Bayreuth buchstäblich im Regen. Und auch im ersten Satz der neuen Punktspiel-Saison in der Bayernliga wurden sie von Gastgeber TV/DJK Hammelburg nass gemacht. Doch bei Spielende schien zumindest im übertragenen Sinne die Sonne. Denn die ersten drei Punkte und damit die Tabellenführung für eine Nacht gehörten dem Team aus Bayreuth.
Mit 3:1 (21:25, 25:16, 25:17, 25:16) setzte sich der BSV in Unterfranken am Ende doch recht deutlich durch. Platz eins holte sich rund 24 Stunden später der TSV Eintracht Rottenberg dank des 3:0 gegen den TV Fürth 1860. Womit es am kommenden Samstag (19.30 Uhr, Turnhalle am Roten Main) gleich zum Duell des Ersten mit dem Zweiten kommt, wenn der BSV Rottenberg zu Gast hat. Beide Teams bilden mit dem TV Altdorf II (startete mit einem 3:1 gegen Bamberg) auch das vermeintliche Titelanwärter-Trio.
Diesem Anspruch wurden die Bayreutherinnen in Hammelburgs Saaletalhalle zunächst nicht gerecht. Die Gäste, bei denen lediglich Neuzugang Johanna Stelzer fehlte, machten Fehler, scheiterten am Block (Adriana Sondermann), agierten zu zaghaft. „Du bist Angreiferin“, musste sich Selina Porzner von Trainer Manuel Wolz deutlich vernehmbar anhören, als sie aus dem Hinterfeld nicht voll durchgezogen hatte.
Beim 9:13 war der BSV erstmals klar zurück. Trotz einer Nina Baldini, die von Anfang an auf Hochtouren lief, und trotz eines beeindruckenden Diagonalballes von Porzner zum 15:15, dem Ronja Meyer gleich das 16:15 folgen ließ, ging der Durchgang gegen die in der Feldabwehr kampfstarken Schützlinge von Trainerin Ipek Akinci, die einmal sogar fast von der Ersatzbank aus punkteten, verloren.
Was dann kam, fasste Coach Wolz später so zusammen: „Wir haben uns auf jeder Position gesteigert, haben in Aufschlag und Annahme das gespielt, was wir uns vorgenommen hatten. Und alle Spielerinnen, die von der Bank kamen, haben dazu ihren Beitrag geleistet.“ Dazu gesellten sich unzählige Fehler des Gegners beim Service, während die variantenreichen Aufgaben aller BSV-Damen Hammelburg vor riesige Probleme stellten.
Nach dem 15:15 in Satz zwei machte Alexandra Soloninkin mehrfach positiv auf sich aufmerksam, die eingewechselte Bayernliga-Debütantin Julia Meyer kam auf eine persönliche 10:1-Punktebilanz, Katja Löhnhardt machte mit sieben Aufschlägen nach dem 18:16 den Sack zu.
Mit Beginn des dritten Abschnitts war auch Antonia Meinhardt voll da. Ihr Service war hauptsächlich für die 9:5-Führung verantwortlich, ein Hammelburger Aufkommen zum 12:14 konterte Bayreuth mit vier Punkten in Folge. Und Wolz nahm sich noch mal Porzner vor, verlangte lautstark von ihr: „Hauen!“ Im vierten Satz sorgte eine BSV-Serie vom 12:9 zum 19:9 (am Aufschlag: Meinhardt) für die Vorentscheidung. Baldini schloss das Kapitel nach 1:47 Stunden mit vier Aufschlägen und erfüllte vollauf die morgendliche Forderung des eigenen Nachwuchses am Küchentisch: „Lass deine Wut doch einfach beim Volleyball raus!“
Selina Porzner wurde zur eigenen Überraschung (auch ob eines völlig missglückten Pritschers ins Seitenaus) zur besten Spielerin (MVP) des Nachmittags gekürt. Der Trainer hätte vielleicht eine andere Wahl getroffen: „Nina und Libera Maria Schraml waren ganz stark, später dann auch Toni Meinhardt.“ Im Regen radelte Wolz nach der Rückkehr in Bayreuth die letzten Meter heim, im Kopf wohl eher keine MVP-Diskussion, sondern den kommenden schweren Gegner, TSV Rottenberg.