Regionalliga-Herren spielen in München um gefühlte sechs Punkte

Sechs-Punkte-Spiel um Platz sieben. Selten hat das geflügelte Wort, wonach in einer Begegnung gefühlt doppelt so viele Zähler vergeben werden wie in der Praxis, so gepasst wie auf die anstehende Aufgabe des BSV 98 Bayreuth. Er tritt am Samstag (24. Februar) um 16 Uhr beim VC DJK München-Ost/Herrsching II an.

Im Fall eines klaren Erfolges distanziert das Team von Coach Andreas Rüger die Hauptstädter in der Männer-Regionalliga Süd-Ost um vier Punkte; im Falle eines Misserfolges rutschen die Oberfranken auf Relegationsrang acht ab. Sie hätten dann zwei Zähler Rückstand, die sich am Sonntag sogar noch vergrößern könnten, wenn München in Freising spielt.

„Grotesk und schon etwas verrückt“, nennt Rüger die Situation in dieser Staffel der 4. Liga. „Mit acht Siegen und neun Niederlagen, wie wir sie derzeit haben, wärest du in vielen anderen vergleichbaren Klassen im gesicherten Mittelfeld.“ Doch der Aufsteiger muss bangen, wäre selbst mit Sieg Nummer neun zwei Spieltage vor Schluss noch nicht über den Berg.

Die Lage rührt daher, dass die bei Halbzeit der Runde führenden Klubs schwächeln und die Underdogs immer wieder zubeißen. So auch der BSV, der in diesem Kalenderjahr aus nur sechs Matches 13 Punkte holte, genauso viele wie in den elf Spielen 2017. Besser war heuer lediglich der an die Spitze gesprintete TSV Eibelstadt (18), während Aufstiegsanwärter wie MTV München (7) und SV Schwaig II (8) arg gebeutelt wurden. So sind die ersten Vier der Tabelle aktuell nur durch einen Punkt getrennt.

In München-Ramersdorf muss der BSV freilich ein Handicap verkraften. Die Zuspieler Milan Dörnhöfer, Axel Kleinscheck (beide verhindert) und Franz Damaschke (verletzt) fallen aus, Youngster Tim Gamisch schlüpft im Duell mit dem Tabellendritten der Vorsaison in die Rolle des Regisseurs in der Mitte am Netz. Trainer Rüger: „Gespielt hat er bei uns noch nicht sehr viel, aber fleißig trainiert. Er kennt daher seine Mitspieler bestens und konnte sich mit ihnen in den Übungseinheiten dieser Woche auf die Aufgabe vorbereiten.“

Wie stark aber ist der Gastgeber in der GCDW-Arena an der Kirchseeoner Straße? Die Spielgemeinschaft hat ihre letzten drei Begegnungen gewonnen, dabei aber mit Neumarkt und Hauzenberg die Schlusslichter als Gegner gehabt. Bemerkenswerter war vor einer Woche das 3:2 (25:27, 26:24, 25:20, 14:25, 15:13) gegen Schwaig, bei dem die Bundesligareserve des selbsternannten „Geilsten Clubs der Welt“ (GCDW) aus Herrsching zuerst drei Satzbälle vergab, dann derer acht benötigte, um die Durchgänge zwei und drei zu gewinnen, und im Tiebreak Rückstände von 9:10 und 12:13 aufholte. In den vier Spielen vor den Erfolgen hatte der VC München jeweils mit 2:3 verloren, wie überhaupt die Hälfte der bisher 16 Partien der Mannschaft von Trainer Johannes Kessler über die volle Distanz gingen. Dabei blieb dem Team sechs Mal nur ein Punkt.

Das Hinspiel gegen die Bayreuther hatte München mit 21:25, 21:25, 12:25 verloren. „Da fehlte unserem Gegner aber ein starker Angreifer“, weist Andreas Rüger darauf hin, dass es am Samstag wesentlich schwerer werden dürfte. Er hat personell noch das Problem, dass auch Jörg Fredersdorf wahrscheinlich ersetzt werden muss. Hingegen ist Angreifer Julius Spantig nahezu wieder fit und Mittelblocker Lukas Schröder in starker Verfassung.

Die erhofft sich der BSV-Trainer auch von Libero Christian Dinkel, der zuletzt gesundheitlich angeschlagen war: „Wir brauchen eine stabile Annahme, eine Steigerung gegenüber dem verdienten Sieg in Zirndorf, bei dem der erste Satz sehr gut gepasst hat und die Spieler großen Kampfgeist gezeigt haben.“ Rügers Rezept: „Wir müssen zusammenhalten.“ Dazu dienten auch Gespräche außerhalb des Spielfeldes, die zuletzt beim Zweiten in der Kurier-Abstimmung zur „Mannschaft des Jahres“ geführt worden sind.

„Der Sieg war ein wichtiges Lebenszeichen von uns“, hatte BSV-Kapitän Fabian Buck Ende November nach dem 3:0 gegen München/Herrsching in eigener Halle gesagt. Ein erneuter Dreier seines Teams morgen würde die Vitalfunktionen des Aufsteigers weiter stärken. „In der Hinrunde haben wir Erfahrung gesammelt. Dann sind wir stabiler geworden. Nun ist zu sehen, dass wir oben mitspielen können“, lautet der Dreisatz des Bayreuther Trainers.

Nach dem Samstagspiel tritt der BSV noch in Mühldorf (11. März) und daheim gegen Schwaig II (17. März, 19.30 Uhr) an. Der Rivale aus München spielt noch einmal mehr: in Freising (Sonntag), in Dachau (10. März) und gegen Zirndorf (17. März).