Sie wollen aufsteigen, und sie sind seit Samstagabend ein ganz heißer Kandidat. Die Rede ist dabei diesmal aber nicht von den Volleyballerinnen des BSV 98 Bayreuth, sondern von ihrem Bezwinger. Der TSV Eintracht Rottenberg lieferte in der Turnhalle am Roten Main eine blitzsaubere Bayernliga-Vorstellung ab.
Die starken Gäste aus Unterfranken, die – zumindest an diesem Abend – den Bayreutherinnen die Grenzen aufzeigten, gewannen mit 3:0 (27:25, 25:16, 25:20), „auch in dieser Deutlichkeit nicht unverdient“, wie BSV-Coach Manuel Wolz zugab. Das Team mit seinen starken Angreiferinnen, der omnipräsenten Libera Emmy Endres und einer Regisseurin Aline Bühl, die aus fast jeder Position präzise zuspielte, dürfte in der Liga schwer zu schlagen sein. „Abwarten, es gibt ja noch ein Rückspiel“, blieb Bayreuths Mittelblockerin Alexandra Soloninkin im Hinblick auf den 17. Januar 2026 optimistisch. Ihr Rezept, mit Glanz im Haar auch spielerisch Glamour zu verbreiten, war indes nicht aufgegangen.
Aber alle im Team der in Hammelburg noch 3:1 siegreichen Gastgeberinnen erreichten diesmal nicht Bestform. Dazu kam das Handicap, dass Angreiferin Antonia Meinhardt von einer Verletzung ausgebremst wurde. „Die habe ich mir im Sportunterricht zugezogen, womöglich ein Muskelfaserriss“, berichtete die Referendarin, „ich wollte es trotz Schmerzen versuchen, aber es ging nicht.“ Bei 16:16 im ersten Satz bekam die Kapitänin eine erste Pause, bei 14:17 im zweiten Satz kam sie noch einmal, gab aber schnell auf.
Diese Zwischenstände zeigen, dass der BSV durchaus nicht chancenlos war. In Durchgang zwei hatte er sogar 12:8 vorn gelegen, als es zur Wende kam (14:21). Und im ersten hatte Bayreuth die Chancen auf den Satzgewinn: Ein Block und Netzkantenhilfe brachten das 23:23, die zurückgekehrte Meinhardt servierte gekonnt auf Paulina Mysiakowska, die zuvor mit ihren Aufschlägen vom 20:22 zum 23:22 Bayreuth verunsichert hatte – 24:23, Satzball für den BSV.
Und nun haderte Manuel Wolz lautstark mit den Schiedsrichtern: „Die Rottenberger Libera bugsiert im Knien den Ball irgendwie übers Netz, und ich muss mich belehren lassen, dass solch unsauberes Spiel nach den Regeländerungen nun nicht mehr geahndet wird“, regte sich der Coach in der Rückschau immer noch auf. Ronja Meyer holte einen zweiten Satzball für die Prellmühlerinnen heraus – und vergab ihn höchstpersönlich durch einen Aufschlagfehler. Danach war das Netz für Selina Porzner und Soloninkin zu hoch – der Gast jubelte.
Immer wieder versuchte Wolz nach dem Satzverlust, mit Rufen und Gesten für mehr Stimmung in der Halle zu sorgen. Es gelang nicht so recht. „Im Prinzip sollten die Spielerinnen mit Einsatz und Leistung auf dem Feld den Funken zum Überspringen bringen, sodass im Gegenzug von außen positive Energie zurückkommt“, erklärte Wolz. Theorie! Im zweiten Satz holte Rottenberg mit Joker Mysiakowska am Aufschlag vorentscheidende sechs Punkte hintereinander.
Trotz aller guten Vorsätze und Bemühungen misslang der Bayreuther Start in den dritten Durchgang – 6:13. Das kurze Aufbäumen zum 12:14 wurde vom TSV gekontert. Spätestens nach den 91 Spielminuten war klar, wer in der diesjährigen Bayernliga Nord Titelkandidat Nummer eins ist. Der BSV hatte vor einem Jahr nach zwei Runden Niederlage (in Rottenberg) und Sieg auf dem Konto. Dann folgten noch eine Schlappe (in Hammelburg) und eine 16 Partien dauernde Siegesserie zur Vizemeisterschaft. Diesmal stehen noch 16 Spiele auf dem Programm…