Kein Punkt dort, drei Punkte da – Damen 1 sind im Soll

Keine Beute beim Tabellenführer gemacht, dafür aber alle drei Punkte vom Tabellenvorletzten heimgebracht – auf den ersten Blick lief es für die Volleyballerinnen des BSV 98 Bayreuth am Reise-Wochenende programmgemäß. Aber es hätte durchaus auch anders kommen können.

Vor den Spekulationen die Fakten: Die Bayreutherinnen sind nach zwei Dritteln der Bayernliga-Saison auf Rang sechs von einem Abstiegsplatz meilenweit, nämlich zwölf Punkte, entfernt. Und auch die Relegation droht bei acht Zählern Distanz zum Achten (TSV Ansbach II) nicht wirklich. So geht der Blick nach dem 1:3 beim TSV Eintracht Rottenberg und dem 3:1 gegen den TV Fürth 1860 nach oben, wo Hammelburg und Lengfeld mit je vier Punkten mehr durchaus greifbar sind.

Aufs und Abs en masse brachten die beiden Partien des BSV innerhalb von 22 Stunden. Beispiele gefällig? In Hösbach gegen Rottenberg führten die Oberfränkinnen im zweiten Satz 9:3; wenig später hieß es aber 10:12. Durchgang vier begann der Gast mit einem 6:1; beim 14:13 war der schöne Vorsprung flöten. Tags darauf schien Bayreuth in Fürth im dritten Satz beim 10:4 auf einem guten Weg, den desaströsen zweiten Abschnitt (14:25, höchster Satz-Verlust der Saison) vergessen zu machen. Nun startete Andrea Jankovic vom TV aber ihre Aufschlag-Show, servierte Ass um Ass, sorgte für zeitweise Hilflosigkeit und Panik auf Seiten des Gegners und brachte ihr Team 11:10 nach vorn.

Und genau auf die Phase, die diesem Service-Gewitter unmittelbar folgte, war BSV-Trainer Manuel Wolz dann stolz. „Das Team hat nicht klein beigegeben. Es hat sich gefangen, gut dagegengehalten und ein Spiel, das gegen uns zu kippen drohte, wieder in den Griff bekommen.“ Es zog sich quasi a la Baron Münchhausen am eigenen Schopf aus dem Sumpf.  „Darauf müssen wir aufbauen, um die Selbstsicherheit unserer Vizemeister-Saison, die uns derzeit abhandengekommen ist, wiederzuerlangen.“

Zuspielerin Katja Löhnhardt brachte ihre Farben mit gar nicht so wuchtigen, aber sehr genauen Aufschlägen wieder auf den Weg – 18:13. Das Blockspiel wurde besser. Und hatten Jankovic, Deborah Specht und Eva Schmitt ihre BSV-Angriff-Pendants zuerst noch klar ausgestochen, so kamen jetzt auch die Bayreutherinnen um Selina Porzner zum Erfolg. „Am ehesten zufrieden war ich aber mit Ronja Meyer und Alex Soloninkin in der Mitte“, sagte Wolz nach dem 25:22, 14:25, 25:19, 25:19 in 1:58 Stunden.

Noch zwei Minuten länger hatte das 18:25, 23:25, 25:22, 23:25 beim TSV Rottenberg gedauert. Wolz: „Wir haben da praktisch gegen das 1b-Team des Spitzenreiters verloren. Vier oder fünf kranke Spielerinnen, auch der Trainer krank – der Gegner wollte das Spiel fast schon absagen. Aber es ist eben Rottenberg mit einem breiten Kader, der uns auch so schlagen kann.“

Wolz musste nur auf Nina Baldini (familiäre Gründe) verzichten. Doch der BSV nutzte seine Chance nicht. Selbst vier Serien von je drei Punkten im zweiten Satz (zum 3:1, 6:2, 9:3, 13:12) und dann die Aufholjagd vom 16:23 zum 21:23 waren letztlich umsonst, wobei  Zuspiel-Alternative Caro Glatkowski und Johanna Stelzer im dritten und vierten Satz voll durchspielten. Für den Tiebreak, der beim 19:19 möglich schien, reichte es aber nicht. Nach drei abgewehrten Matchbällen war Bayreuth geschlagen.  Wolz‘ Erkenntnis nach den zwei Begegnungen: „Bei uns ist derzeit jede Spielerin vor allem mit sich selbst beschäftigt. Da fehlt dann eine, an der sich die anderen aufrichten können.“ Vielleicht aber macht ja die Phase im dritten Satz in Fürth wieder stark. „Der Tabellenzweite Regensburg hat am kommenden Samstag bei uns noch nicht gewonnen“, meint der Bayreuther Trainer.

Fotos vom Spiel hier