Für den BSV 98 Bayreuth war es ein Spiel mit allem, was der Volleyball bieten kann – Spannung, Hoffnung, Unvermögen und Kampfgeist. Doch am Ende blieb nur ein Punkt und das Gefühl einer vertanen Chance. Nach 141 intensiven Minuten unterlagen die Bayreutherinnen in der Damen-Bayernliga Nord beim TV Altdorf II mit 2:3 (25:22, 20:25, 30:32, 25:21, 15:17).
Einen Punkt gab es, zwei oder drei lagen greifbar nahe. Gleich mehrfach bot sich die Gelegenheit, das Spiel in Mittelfranken auf die eigene Seite zu ziehen – im dritten Satz mit Satzbällen, später im Tiebreak mit einem 6:1-Vorsprung. Es sollte nicht reichen. Statt des Abstand-Verkürzens ist der BSV mit nun zehn Punkten nach sieben Spieltagen auf Rang sechs fünf Punkte von den drei Vereinen vor sich entfernt. Hoffnung gibt aber der kommende Heimblock gegen Lengfeld, Ansbach und Hammelburg: drei Spiele in Bayreuth, drei Chancen zum Punktesammeln.
„Man kann es positiv sehen und sagen: Wir haben ohne drei Stammspielerinnen gegen das Team, das gerade den Spitzenreiter geschlagen hat, einen Punkt geholt“, sagte Trainer Manuel Wolz. Doch sein Gesicht sprach eine andere Sprache. „Wir haben Altdorf teilweise schlecht aussehen lassen und dennoch nicht gewonnen, weil unter anderem gepritschte Bälle bei uns ins Feld plumpsen. Bezeichnend, dass wir beim Matchball selbst den Ball ins Aus baggern.“ Es war die nüchterne Analyse eines Trainers, der wusste, dass mehr möglich war.
Dass der BSV trotz der Ausfälle von Nina Baldini, Caro Glatkowski und Egle Stakeliunaite zunächst tonangebend war, passte ins Bild eines Teams, das Potenzial hat, sich aber bisweilen selbst im Weg steht. Nach starkem Start (6:0) und einer zittrigen Phase (11:11 – 24:22 nach 23:17) brachte Selina Porzner den ersten Satz mit einem Lob über den Block nach Hause – der Auftakt zu einer Achterbahnfahrt.
Im zweiten Satz dann das abrupte Abgleiten nach unten. Schnell lag Bayreuth 6:14 zurück. „Nur schön spielen wollen – das funktioniert nicht!“, mahnte Wolz in einer Auszeit. Die Worte zeigten kurz Wirkung, doch nach dem 18:21 ging der Satz verloren. Bei Altdorf hatte sich Trainerin Kasia Stanic nach einigen Einsätzen auf dem Feld diesmal an der Seitenlinie aufs Coachen konzentriert.
Der dritte Durchgang wurde zur emotionalen Achterbahnfahrt und zum längsten Satz der Saison. Alexandra Soloninkin und Britta Schneider hatten gute Szenen in der Mitte, Antonia Meinhardt verhinderte beim 23:24 den Satzverlust, dann folgten vier Satzbälle für Bayreuth. Der Jubel beim vermeintlichen Punkt zum 28:26 verstummte, als der Unparteiische Johanna Stelzers Ball knapp im Aus sah. Nach 37 Minuten stand es 30:32.
Umso bemerkenswerter die Reaktion. „Bisher sind wir nach so einem unglücklich verlorenen Satz immer eingebrochen; heute haben wir die richtige Antwort gefunden. Das tut gut und macht Hoffnung für die Zukunft“, sagten Antonia Meinhardt und Ronja Meyer unisono nach der Partie. Mit großem Einsatz und starken Aktionen von Stelzer (Wolz: „Obwohl sie immer zwei Blocks gegen sich hatte“) arbeitete sich der BSV zum 25:21 und zum verdienten Satzausgleich. Meyer hatte kaum noch daran geglaubt: „Ich dachte nach dem 30:32, das gibt hier ein 1:3.“
Der Tiebreak versprach einen versöhnlichen Abschluss. 6:1 führte Bayreuth bereits, ehe Altdorf mit kämpferischem Willen zurückkam. Wolz feuerte unermüdlich an: „Weiter, weiter, weiter!“ Porzner brachte ihr Team mit 13:10 in Front. Doch am Ende stand wieder Ernüchterung. Antonela Kvesic, Theresia von Waldenfels und Kolleginnen vom TVA drehten das Spiel, Bayreuth wehrte noch zwei Matchbälle ab – und dann landete Meinhardts Bagger im Aus.
„Eine Steigerung der Bayreutherinnen gegenüber den Spielen vorher“, urteilte Thomas Kotlar, selbst BSV-Spieler und Co-Trainer der Altdorfer Zweitliga-Mannschaft. Trainer Manuel Wolz wird seine eigenen Gedanken dazu haben.